Daniel Paul SCHREBER
Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken (15. Kapitel)
26. November 2004Einige Zeit nach dem im Kap. XIII geschilderten Umschwung, also etwa Ende 1895 oder Anfang 1896, machte ich eine Reihe von Erfahrungen, welche mich veranlaßten, meine bisherigen Vorstellungen von "flüchtig hingemachten Männern", "Menschenspielerei" und dergleichen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, in deren Folge ich zu einer wenigstens theilweise abweichenden Auffassung gelangte.
Es sind mir namentlich drei Vorgänge erinnerlich, welche mich in demjenigen, was ich bis dahin für wahr (...)
Daniel Paul SCHREBER
Denkwürdigkeinten eines Nervenkranken (4. Kapitel)
20. März 2004Ich komme nunmehr auf meine eigenen persönlichen Schicksale während der beiden Nervenkrankheiten, die mich betroffen haben, zu sprechen. Ich bin zweimal nervenkrank gewesen, beide Male in Folge von geistiger Ueberanstrengung ; das erste Mal (als Landgerichtsdirektor in Chemnitz) aus Anlaß einer Reichstagskandidatur, das zweite Mal aus Anlaß der ungewöhnlichen Arbeitslast, die ich beim Antritt des mir neuübertragenen Amtes eines Senatspräsidenten beim Oberlandesgericht Dresden vorfand.
Die (...)
Daniel Paul SCHREBER
Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken (1903)
13. März 2004An eine Veröffentlichung dieser Arbeit habe ich beim Beginn derselben noch nicht gedacht. Der Gedanke ist mir erst im weiteren Fortschreiten derselben gekommen. Dabei habe ich mir die Bedenken nicht verhehlt, die einer Veröffentlichung entgegenzustehen scheinen : es handelt sich namentlich um die Rücksicht auf einzelne noch lebende Personen. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, daß es für die Wissenschaft und für die Erkenntniß religiöser Wahrheiten von Werth sein könnte, wenn noch (...)